Auf dem Bild sieht man Helene Bauer
Bild: Diakonie Zentrum Spattstraße

Liebe, Demut und ein kleines bisschen Wahnsinn

Helena Bauer

Helena Bauer ist Sozialpädagogin. Sie ist in der sozialpädagogischen Familienbetreuung beim Diakonie Zentrum Spattstraße tätig.

Hier bespricht sich Helena Bauer mit einer Kollegin
Bild: Diakonie Zentrum Spattstraße

Wie sieht ein Arbeitstag bei dir aus, was sind deine Aufgaben?

Ein typischer Arbeitstag beginnt mit Telefonaten. Ich terminisiere Besuche bei den Familien oder frage nach, ob vereinbarte Termine wahrgenommen werden können. Ich telefoniere mit meinen Tandempartner*innen. Ich fahre zum ersten Termin - das kann um 9, um 12 oder auch erst um 14 Uhr sein.

Ich begleite die Familien bei Behördengängen, vereinbare Termine mit der Schule, dem Hort oder dem Kindergarten, vernetze mich mit Fachkräften verschiedenster Professionen (Medizin, Pädagogik, Logopädie, Polizei, Dolmetsch...) und Institutionen, um der Familie eine kompetente Dienstleisterin zu sein. Ich nehme an Helferkonferenzen und runden Familientischen teil. Ich suche gemeinsam mit den Jugendlichen geeignete Praktikums- oder Ausbildungsstätten, helfe beim Schreiben der Bewerbung und oftmals auch beim Vorsprechen, damit die Vorzüge ins rechte Licht gerückt werden. Ich bin Ansprechpartnerin (z.B. Beziehungsthemen, Schule, Konflikte, erfreuliche Ereignisse) Vermittlerin (z.B. Eltern – Kinder, Lehrer – Eltern, Paarebene), Vertrauensperson (z.B. heikle Themen, Sorgen, Ängste), Stütze (z.B. Ausweglosigkeit, fehlenden Perspektiven) – aber ebenso unbequemes Gegenüber (Aufklärung, Realität aufzeigen, ermutigen, selbst Entscheidungen zu treffen). Ich frage und hinterfrage, ich höre zu und auch hin... Ich ermutige Menschen, in Bewegung zu kommen, denn nichts ist lähmender als Stillstand. Ich bin Übermittlerin und Übersetzerin (z.B. behördliche Dokumente, falsch oder nicht Verstandenes verständlich transportieren)

Ich berate (z.B. Erziehungsthemen) und bespreche ( z.B. finanzielle Lage, Schulthemen...). Ich biete Struktur (z.B. Tagesablauf, Rituale), Orientierung (z.B. wo muss ich hin, wenn...) und Weitblick (Alternative Denkweisen). Ich arbeite ressourcen- und lösungsorientiert, meinen Blick stets auf die Individualität jedes/jeder einzelnen gerichtet. 

Warum hast du dich für einen Sozialberuf entschieden? 

Weil es Sinnstifter*innen und Hoffnungsträger*innen braucht und ich mich genau dazu berufen fühle, eine solche zu sein. Ohne Menschen gäbe es kein Miteinander, ja nicht einmal ein ICH, weil es für ein ICH, immer auch ein DU braucht. Ich bin dankbar und voller Demut jedem einzelnen Menschen gegenüber, der unsere Welt zu dem Planeten macht, der er heute ist. Mit all den Herausforderungen und all den Geschenken. Dafür möchte ich mich erkenntlich zeigen.

Welche Ausbildung hast du gemacht?

VS, Gymnasium Unterstufe, HAK, danach Pflegehilfe, Fachsozialbetreuerin Altenarbeit, Fachsozialbetreuerin Behindertenarbeit, Diplom. Sozialfachbetreuerin Behindertenarbeit

Was sollte man für deinen Job mitbringen?

Liebe, Demut, ein kleines bisschen Wahnsinn ;-)
Empathie, Humor, Freude am menschlichen Dasein, Klarheit, Weitblick, Authentizität, Offenheit, Flexibilität und die Fähigkeit, ganz und gar in die Lebenswelt des Gegenübers einzutauchen 

Was sind die Herausforderungen in deinem Beruf? 

  • die Terminkoordination mit den verschiedenen Familien
  • der Wechsel zwischen den Familien und Themen (von psychisch kranker Mutter, zu hyperaktivem Kind, zu gewalttätigem Vater, zu alleinerziehendem Vater, zu Substanzkonsum, zu Alkoholproblem, zu ...) und damit verbunden das sich immer wieder schnell umstellen und an die Bedürfnisse der Familien anpassen müssen 
  • die tägliche Bereitschaft (Mo-Sa 7-20h) und die damit verbundene ständige Präsenz (auch in der „Freizeit“)
  • die zeitliche Flexibilität und somit die Vereinbarkeit von eigener Familie und Beruf 

Was sind die Highlights in deiner Arbeit? 

  • das Eintauchen in andere, völlig konträre Lebenswelten 
  • die multiprofessionelle Zusammenarbeit 
  • die Wertschätzung und Professionalität unter den Kolleg*innen
  • die freie Termineinteilung
  • die Vernetzung mit und damit das Kennenlernen von anderen Institutionen 
  • das „Querdenken-dürfen“ und die stetig erforderliche geistige Flexibilität 
  • das kontinuierliche Lernen und Wachsen am Gegenüber
  • die Möglichkeit, eigene Ideen und Vorschläge nicht nur einzubringen, sondern auch umzusetzen
  • die Familien auf ihrem Weg in die Autonomie zu begleiten 
  • das Vertrauen und die Herzlichkeit der Familien den Sozialpädagog*innen gegenüber
  • die Integrität und Individualität jedes einzelnen darf und soll von uns Mitarbeiter*innen gesehen und anerkannt werden – dafür bin ich sehr dankbar.

Zurück